Kamineffekt
Der Kamineffekt kann bei Brandeinsätzen eine starke Ausbreitung des Brandes verursachen. Viele Zivilisten und Einsatzkräften hat dieser Effekt schon das Leben gekostet.
Der Kamineffekt kann durch natürliche und bauliche Gegebenheiten, einsatztaktische Fehler oder aus deren Kombination entstehen.
In bestimmten Einsatzsituationen kann ein natürlicher oder ein künstlich hervorgerufener Kamineffekt Löscharbeiten sowie die Rettung von Menschenleben begünstigen.
Physikalischer Prozess
Der Kamineffekt begründet sich auf der Wärmeströmung, aber auch ohne eine Wärmequelle kann es auch durch bestimmte bauliche oder natürliche Ursachen zu einem ähnlichen Effekt kommen.
Injektorprinzip
Das Injektorprinzip beruht auf der Luftströmung und kann vor allem bei kalten Schornsteinen, Treppenhäusern, Belüftungsschächten oder –röhren und ähnlichen beobachtet werden.

Die Luftmoleküle einer Luftströmung reißen auf Grund ihrer Geschwindigkeit die Luftmoleküle aus einem Rohr (Schornstein, Schacht usw.) mit sich fort. Dadurch entsteht im Rohr ein Unterdruck. Dieser Unterdruck wird unten, durch die Zuführung von Luft, ausgeglichen. Durch den permanenten Ausgleich des Unterdrucks entsteht eine Strömung aus sauerstoffreicher Luft. Dies kann unter Umständen einen Brand oder die Ausbreitung von schädigenden Stoffen begünstigen. Die Ausmaße, der durch dieses Prinzip entstehenden Luftströmung, können jedoch im Gegensatz zur Wärmeströmung als gering eingeschätzt werden.
Wärmeströmung
Die Ausdehnung die ein Kamineffekt haben kann ist gewaltig. Ein Feuersturm wie bei den Waldbränden in Kalifornien (USA) erzeugt einen mächtigen Kamineffekt. Windgeschwindigkeiten von 130 km/h und mehr sind bei dem Kamineffekt durch Wärmeströmung keine Seltenheit.

Bei Brandeinsätzen können durch Wärmeströmung verursachten Kamineffekte zu einer ernst zu nehmender Gefahr für Leib und Leben der Einsatzkräfte werden. Ein Beispiel: Bei dem Brand des Opernhauses in Magdeburg berichteten die Einsatzkräfte, dass sich nach außen öffnenden Brandschutztüren nicht oder nur unter beträchtlichem Anstrengungen öffnen ließen. Dies ist auf den Sog des Kamineffekts zurückzuführen gewesen.
Der Grund dafür ist, dass Stoffteilchen, die über eine höhere Wärmenergie verfügen, leichter sind, als Stoffteilchen in einem niedrigeren Wärmezustand. Dadurch steigen diese nach oben

Taktische Maßnahmen
Durch die Fülle an Situationen ist es nicht möglich nach „Schema F“ vorzugehen. Der Kamineffekt ist in der Regel an bauliche Voraussetzung gebunden. Das heißt, dass mit dieser physikalischen Erscheinung bei Bränden in Mehrfamilien- und Hochhäusern bis 10 Etagen, großen Gebäudekomplexen, Kirchen, Türmen, Industriebereichen, Siloanlagen sowie Tunnelanlagen zu rechnen ist. Sicherheitstreppenhäuser, selbstschließende Brandschutztüren oder Sprinkleranlagen verhindern oder begrenzen einen Kamineffekt.
Verhinderung von Kamineffekten in Mehrfamilien- und Hochhäusern:
- Schneller Innenangriff
- Rauchabzugsklappen erst nach Beginn der Brandbekämpfung öffnen
- Schließen von Brandschutztüren
- Innenangriff
- Abschneiden der Wärmeströmung durch Sprühstrahlkegel
- Schließen der Abzugsöffnungen

